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Rigorosum Stefan Lippl - 28.09.2020

Sep 28
September 28, 2020 10:00 am - 11:30 am
 

Im Rahmen der mündlichen Doktorprüfung spricht

Stefan Lippl-Seifert (FAU) zum Thema:

Unsicherheiten in der Abschätzung von Massenbilanzen für Gletscher in komplexer Topographie – eine Fallstudie auf James Ross Island, Antarktische Halbinsel

Der antarktische Eisschild ist das größte Reservoir von gefrorenem Süßwasser. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde an der nördlichen antarktischen Halbinsel einer der weltweit stärksten Temperaturanstiege festgestellt. Aus diesem Grund ist eine genaue Bestimmung der Massenbilanz von Gletschern in dieser Region unerlässlich für Prognosen des zukünftigen Meeresspiegels. Dennoch zeigen sich erhebliche Differenzen in den Massenbilanzberechnungen mittels verschiedener Methoden. Um die Bestimmung von Gletscher-Massenbilanzen zu verbessern, wurden im Rahmen dieser Doktorarbeit am Institut für Geographie der FAU Erlangen-Nürnberg in der AG Braun Ergebnisse der “Input-Output” Methode und der geodätischen Methode auf kleinräumiger Skala verglichen. Ein spezieller Fokus der Arbeit lag auf der Analyse des Einflusses der einzelnen Eingangsvariablen auf den Gesamtfehler der finalen Massenbilanz.

Das Untersuchungsgebiet, James Ross Island, befindet sich an der Ostseite der nördlichen antarktischen Halbinsel. Es besitzt eine komplexe Topographie mit einem ca. 300 bis 500 m hohen, nahezu senkrechten Kliff, welches die Einzugsgebiete von den auf der Insel häufig auftretenden Auslass-Gletschern trennt.

Mittels eines “common-box”-Ansatzes wurden Veränderungen an den Kalbungsfronten der Gletscher seit 1945 untersucht. Gemeinsam mit meteorologischen und ozeanischen Daten aus in-situ Messungen und regionalen Klimamodellen wurde der Einfluss auf die Eisdynamik zwischen 2014 und 2018 untersucht. Die Ergebnisse deuten auf einen stärkeren Einfluss des Ozeans auch in Regionen, welche durch das Weddell Meer beeinflusst werden, hin.

Auf Grund der rauen Umweltbedingungen beruhen viele Abschätzungen zur Massenbilanz in der Antarktis auf Fernerkundungsdaten mit dem Nachteil potenzieller Fehler bei fehlenden Validierungsdaten. Aus diesem Grund wurden im Rahmen der Arbeit Eisdickenmessungen mittels fluggestützter GPR-Messungen durchgeführt. Gemeinsam mit den aus SAR-Fernerkundungsdaten berechneten Geschwindigkeitsfeldern ermöglicht dies einen Vergleich der Massenbilanz mit Werten aus der geodätischen Methode. Die abweichenden Ergebnisse in Verbindung mit den großen Unsicherheiten gemäß der Fehlerberechnung führen zu dem Schluss, dass die komplexe Topographie auf James Ross Island die Genauigkeit von Massenbilanz-Abschätzungen erheblich limitiert.

Betreuer: Prof. Dr. Matthias Braun

Aufgrund der noch immer geltenden Ausführungsbestimmungen zur Promotionsprüfung vom 20.04.2020 muss die Prüfung leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.